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Die Zukunft der Deutschen Wirtschaft

Visionen für 2030

von Antonio Schnieder, Tom Sommerlatte (Hrsg.)
rezensiert von: Rainer Vollmer

 

In diesem Buch stellen Wissenschaftler, Manager, Berater und Politiker aus allen Bereichen unserer Wirtschaft und Gesellschaft ihre persönlichen Visionen für das Jahr 2030 vor. Visionen sind notwendig, weil sie Sinn stiften. Visionäre Unternehmen sind erfolgreicher, leistungsfähiger und erwirtschaften eine höhere Kapitalrendite.

Manches ist für die nächsten 20 Jahre bereits festgeschrieben, wie die Bevölkerungsentwicklung oder größere Infrastrukturprojekte auf dem Verkehrs- oder Energiesektor aufgrund langer Umsetzungszeiten. Anderes lässt sich mit einer hohen statistischen Wahrscheinlichkeit schon voraussehen, wie die Ressourcenentwicklung, das globale Umfeld und z.T. auch die öffentlichen Finanzen. Manche Visionen widersprechen sich, nahezu alle sind von einer positiven Grundhaltung geprägt. Heutige Probleme werden als bereits gelöst oder lösbar dargestellt. Auch werden überwiegend Verhaltensweisen und Wertvorstellungen unterstellt, die nicht zu ernsthaften sozialen Verwerfungen führen. Trotzdem ist es für uns alle von höchstem Interesse, welche Zukunftsideen die Autoren entwickeln, wie sie die Zukunft sehen und was wir dazu beitragen können, sie in eine gute Richtung zu steuern.

Viel Spaß beim Lesen!

Die Herausgeber haben die Autorenbeiträge nach Wirtschaftssektoren, übergreifenden Betrachtungen, Politik und Sicht unserer Nachbarn geordnet. Dieser Gliederung soll bei der Inhaltsangabe im Wesentlichen gefolgt werden.

1. Klassische Industrien

a) Elektroindustrie

Massiver Einsatz von Sensoren sowie Regelungs- und Automatisierungs-lösungen eingebettet in Systeme bei Gebrauchsgegenständen und industriellen Produktionsanlagen; organische LED- und OLED-Beleuchtungen z.B. als Leuchtfolien; seniorengerechte Bedienung durch gedankengesteuerte Befehle. Biomedizintechnik z.B. elektronische Pflaster zur Wundheilung, und Assistenzsysteme sind weitere Anwendungsgebiete.

b) Maschinenbau

Trotz neuer Anbieter aus den Emerging Markets (China, Brasilien, Indien) hat der deutsche Maschinenbau seine führende Weltmarktstellung behauptet – und zwar durch Konsolidierung auf größere Unternehmen, Lieferung kompletter Systemlösungen, Diversifikation über Software und durch Intensivierung von technischer Beratung, Service und Marketing.

c) Automobilindustrie und Verkehr

Das Automobil ist auch 2030 unverändert das vorherrschende Transportmittel im Individualverkehr. Die PKW-Produktion hat sich gegenüber 2010 auf 100 Mio. Fahrzeuge pro Jahr verdoppelt bei einem hohen Anteil von Ultra Low Cost Cars. Autos sind sensitiver und durch neue Kunststoffstrukturen leichter geworden. Zudem weisen sie einen niedrigeren cw-Wert auf. In der Antriebstechnik ist der Benzin- und Dieselmotor z.T. mit Hybridfunktion mit 88% weiterhin vorherrschend, nur 10% sind Elektroautos wegen der nach wie vor nicht optimal gelösten Batterietechnik (andere Autoren prognostizieren allerdings einen Anteil von 50% Elektroautos). Antriebe mit Modulmotoren, die je nach Leistungsabruf zugeschaltet werden, reduzieren den Kraftstoffverbrauch. Als Kraftstoffe gewinnen Biodiesel und vor allem Brennstoffzellen zunehmend an Bedeutung.
Das weiterhin gestiegene Güterverkehrsaufkommen zwang die EU zu einer internationalen Güterbahn mit fester Mengen- und Preisabsicherung und einem hohen Anteil kombiniertem Verkehr. Dadurch konnte der Verkehrskollaps im Straßengüterverkehr verhindert werden.

d) Chemie

Die deutsche Chemieindustrie ist in 2030 weitestgehend fremdbestimmt. Strenge Umweltauflagen und attraktive Filetierungsgewinne bei der Aufteilung der großen Chemiekonzerne führten zu einer Verlagerung der Chemieproduktionen ins Ausland. Auch die Pharmaindustrie hat durch die kritische Einstellung der Bevölkerung zur Gentechnik an Bedeutung verloren.

e) Energie

Die Reduzierung des CO2-Ausstosses steht unverändert im Mittelpunkt der Energiepolitik. Erst 2015 wurden von den G35-Staaten verbindliche Werte vereinbart.
54% der erzeugten Energie ist fossilen Ursprungs, 32% ist erneuerbare Energie, 14% ist nuklearen Ursprungs. Gasturbinenkraftwerke mit einem Wirkungsgrad von über 65% stellen den Hauptteil der fossilen Energieerzeugung. Kohlekraftwerke arbeiten inzwischen mit einem Wirkungsgrad von über 50% (2010: 25% und darunter). Die Trennung von Energieerzeugung und Netz ist vollzogen. Die Netze sind bedarfsgesteuert (smart grids) und übernehmen die Aufgabe, Belastungsschwankungen zu erkennen und zu steuern. Alle Geräte sind über das Web 2.0 mit dem Hauscomputer und dem Stromlieferanten verbunden. Durch die Kombination der Kraftwerkssteuerung mit der Steuerung des Verbrauchs in Echtzeit wird ein stabiler und kostenoptimaler Netzbetrieb gewährleistet.
Bis 2050 können 10 Milliarden Menschen mit Solarstrom aus Wüstengebieten versorgt werden. Dazu bilden sich Klimaallianzen zwischen Sonnengürtel- und Technologieländern (z.B. Marokko und Deutschland).

f) Landwirtschaft

Es besteht eine größere Aufgeschlossenheit für moderne Produktionsmethoden im Anbau wie in der Tierhaltung. Gentechnologie ist in vollem Umfang akzeptiert.

2. Zukunftsbranchen

Die Zukunftsbranchen haben sich zum Ziel gesetzt, die ökologischen Grundlagen zu wahren und ein Leben in Sicherheit und ökonomischer Stabilität zu ermöglichen. Voraussetzungen dafür sind

  • sauberes Wasser,
  • bessere Energiespeicher,
  • intelligente Energieversorgung,
  • weniger Verkehr,
  • qualitativ erstklassige, aber bezahlbare Gesundheitssysteme.

a) Umweltschutz

Den „grünen“ Umweltschutz gibt es nicht mehr. Man spricht jetzt von Klimaschutz, der durch breiten Einsatz von Biotechnologie gekennzeichnet ist. Durch eine Verbesserung der Recyclingsysteme bei Abwässern und Werkstoffen können die natürlichen Vorkommen geschützt werden. Bei der Energiegewinnung abgeschiedenes Kohlendioxid wird zur Züchtung von Bakterien verwendet, die wieder der Energiegewinnung zugeführt werden.

b) Nanotechnologie

Nanotechnologie ist zum Standard geworden und wird zur Herstellung alltäglicher Dinge eingesetzt, z.B. bei Wechselzellen für Elektroautos, bei Implantaten, organischen Halbleitern, Nanosensoren u.v.a.m.

c) Medizintechnik

Das Patientenbetreuungsmanagement ist auf Effizienz getrimmt. In nur noch 1.000 digital vernetzten Krankenhäusern werden Patienten mit modernster Medizintechnik bei einer mittleren Verweildauer von 1,5 Tagen behandelt. Jeder trägt einen implantierten Chip mit RFID-Funktionalität, auf dem sämtliche medizinisch relevanten Daten gespeichert sind. Die minimal-invasive Operationstechnik ist zum Standard geworden. Patientenfunktionen werden sensorüberwacht und bei Bedarf entsprechend gesteuert.

d) Informationstechnologie

PC und Notebooks heutigen Zuschnitts gibt es nicht mehr. Man mietet Software mit Rechnerleistung fallweise über das Web 2.0 an.
Digitale Sicherheitssysteme überwachen alles, von Alarmanlagen bis zum Datenverkehr.
Energieerzeugung, -speicherung und –verbrauch sind vernetzt und optimiert.
Besonders in die Medizintechnik hat die Informationstechnologie Einzug gehalten. Wohlfühlsensoren überwachen die Gesundheit der Patienten.
Durch Vernetzung von Systemen (Risikomanagement, Lieferfähigkeit in der Supply Chain, Vertriebsoptimierung) stehen auch in Unternehmen bessere Informationen schneller zur Verfügung.

e) Internet

Der rein konsumierende Enduser hat sich zum publizierenden, kritisierenden und sich organisierenden Digital-Citizen emanzipiert. Die mobile Internetnutzung hat die stationäre überholt und damit fundamental die Perzeption von Inhalten geändert. Internetnutzung heißt jetzt Zweiwegekommunikation, Dialogmarketing ist für jedes Unternehmen unverzichtbar geworden.

3. Consumerbranchen

a) Gesundheitswirtschaft

Sie ist zur zentralen Zukunftswirtschaft mit 6 Mio. Beschäftigten und 290 Milliarden Euro Umsatz geworden. Medizintechnische Visionen wie dreidimensionale Bild-Diagnostik, gengestützte Diagnostik, molekulare Therapie, chirurgische Therapie und Telemedizin sind Wirklichkeit geworden. Zur Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens haben beigetragen

  • Produktivitätssteigerungen durch Prozessoptimierung vor allem in
  • Krankenhäusern und Arztpraxen,
  • Beschränkung der Kassen auf eine Grundsicherung und Verschlankung der Kassen,
  • lohnunabhängige Beiträge zur Gesundheitssicherung mit individueller Zusatzversicherung,
  • höhere Eigenbeteiligung mit ausgefeilten Anreizsystemen.

b) Einzelhandel:

Es haben sich regionale Verbrauchergenossenschaften gebildet, die Nachbarschaftsversorgung hat zugenommen. Der Lebensmittelhändler ist gleichzeitig auch Gesundheitsberater. Ein hoher Anteil des privaten Bedarfs wird durch Internetkauf gedeckt.

c) Tourismus

Auch das Tourismusgeschäft ist ein Wachstumsmarkt. Individualreisen sind gefragt, insbesondere der Spezial- und Aktivurlaub. Beliebt ist auch mehrdimensionaler Urlaub, z.B. Kultur und Essen, Entspannen und Lernen. Information, Beratung und Buchung erfolgt über das Internet.

4. Geldwirtschaft

Die Banken haben stark an Bedeutung verloren. Das Corporate Banking, die outgesourcte Finanzwirtschaft der Unternehmen, ist fast das einzige Standbein der Banken. Die Beratung in finanziellen Angelegenheiten haben private Finanzberater übernommen. Das Privatkundengeschäft wickelt der Einzelne direkt über das Internet ab. Über Ebay und andere Anbieter werden Hypotheken aufgenommen, aktive und passive Anlagegeschäfte abgewickelt und Versicherungen abgeschlossen. Die Funktion von Bargeld und Girokonten hat der iEuro übernommen, eine absolut fälschungssichere, elektronische Währung. Versichert werden vor allem Klimaschäden und Daseinsrisiken im Alter.

5. Medien und Bildung

Die Zeitungslandschaft hat sich grundlegend gewandelt. Es gibt nur noch wenige überregionale Zeitungen auf exklusivem Silk-Papier mit direkten Links zu Datenbanken und ergänzenden Videos.
Trotz E-Book hat das traditionelle gedruckte Buch seinen Kundenkreis behalten.
Das Werbegeschäft wird beherrscht vom Individual-Marketing ergänzt durch Fassadenwerbung, sog. Wallpapers.
Die klassischen überregionalen und regionalen TV-Sender wurden durch Themen-Sender abgelöst: Pflege, Heim und Garten, Klima, Reisen, Bauen und Renovieren u.v.a.m.
Die Bildungshoheit liegt jetzt beim Bund. Das Schulsystem erlaubt auch einseitig begabten Schülern, in ihrem Fach das Abitur abzulegen und entsprechende Universitätsstudiengänge zu belegen. Das Bildungsniveau ist geradezu explodiert. Tausende von Deutschen im Alter zwischen 22 und 30 Jahren arbeiten auf der ganzen Welt als Knowledge Coaches. Sie bringen anderen Völkern bei, was und wie man lernen muss.

6. Übergreifende Betrachtungen

Innerhalb dieser Rubrik plädiert der erste Beitrag für einen gezähmten Kapitalismus durch Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Dabei muss die Wertediskussion dialogorientiert sein, gleichgültig ob sie von Christen oder Nicht-Christen ausgeht.
Ein weiterer Beitrag prognostiziert Familienunternehmen auch 2030 eine vorherrschende Stellung. Sie haben sich als krisenresistenter erwiesen.
Interessant ist eine Vision, wie Bürger einer kleinen Gemeinde mit ihrer Verwaltung ein Zukunftsprogramm für ihre Stadt entwickeln und umsetzen.
Zusammenfassend werden in einem weiteren Beitrag die wichtigsten Herausforderungen an die Forschung und Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten formuliert:

  • präventive und regenerative Medizin, nahtlose, integrierte und individuelle Patientenversorgung, weitgehend selbstständige Lebensführung älterer und kranker Menschen durch Telemedizin und Assistent-Living-Lösungen.
  • regenerative und effektive Energieerzeugung, -umwandlung, -speicherung und -verbrauch,
  • Sicherheit für Bürger, Infrastrukturen undDatennetze,
  • schnelle, sichere und vernetzte Verkehrssysteme,
  • leistungsfähige, intelligente und multifunktionale Kommunikationsnetze.

7. Die Sicht der Politik

2030 gibt es eine europäische Verfassung und einen direkt gewählten europäischen Präsidenten.
Die Erderwärmung ist weniger vom Menschen verursacht als vielmehr Folge natürlicher Veränderungen der Sonnenaktivität.
Die Diskussion über die Wissenschaftsmoral ist zu Ende. Biologische Schaltkreise, programmierte Stammzellen, Sequentierung menschlicher Genome sind allgemein akzeptiert. Das Gen für Langlebigkeit ist entschlüsselt.
Computer sind verschwunden und wurden durch allgegenwärtige Rechner in intelligenten Gebrauchsgegenständen wie Stiften, Notizblöcken und Schreibtischen ersetzt.

Beiträge des derzeitigen Wirtschaftsministers Brüderle und des SPD-Vorsitzenden Gabriel beinhalten die allseits bekannten Argumente. Beide sind sich zwar im Ziel einer gerechteren Gesellschaft mit Vollbeschäftigung und einer stabilen, wettbewerbsfähigen Wirtschaft einig, der eine glaubt dies aber durch weniger, der andere durch mehr Staat zu erreichen.

8. Die Sicht unserer Nachbarn

In einem französischen Beitrag wird angemahnt, dass die deutschen und französischen Unternehmen in den nächsten 20 Jahren die Hindernisse zu überwinden versuchen, die zukunftsorientierten Kooperationen in Europa im Wege stehen. Die Herausforderung besteht darin, die Humanressourcen und die finanziellen Mittel so zu bündeln, dass schlagkräftige Innovationsleistungen entstehen können.
Der englische Beitrag sieht die größte Bedrohung der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands in der zunehmenden Anfälligkeit des „deutschen Paradoxons“. Darunter versteht er den Wettbewerbserfolg Deutschlands in der Euro-Zone, der zu wachsenden Defiziten und Schulden der anderen Euro-Länder führt. Da der Ausweg aus diesem Paradoxon, nämlich Auflösung der Euro-Zone und substantielle Wechselkurskorrekturen, aussichtslos erscheint, wird sich das sehr langsame Wachstum in der gesamten Euro-Zone fortsetzen.

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