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Geldreform

von: Thorsten Polleit und Michael von Prollius
rezensiert von: Dr.-Ing. Frieder Kanitz

Was Polleit und von Prollius hier vorlegen ist ein Schlag gegen jene, die glauben, dass der Staat der Glücks- und Heilsbringer ist. Mit ihrem Buch »Geldreform« machen sich die Autoren stark für die Beseitigung des staatlichen Geldmonopols. Dabei referenzieren sie Ökonomen der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Obwohl allein Vertreter dieser Denkrichtung diverse Krisen (auch die aktuelle) vorausgesagt haben, sind sie der breiten Masse leider unbekannt. Dieses Buch hat mein bisheriges Wissen über ökonomische Zusammenhänge sehr stark erweitert. Trotz sehr sachlicher Darstellung und Argumentation, sind die Inhalte radikal, weshalb der Leser eine gehörige Portion Offenheit mitbringen sollte.

Viel Spaß beim Lesen!

Inhalt


Die Autoren beginnen mit den Grundlagen des Geldes und stellen direkt im ersten Absatz dar, was sie unter gutem und unter schlechtem Geld verstehen. Gutes Geld ist demnach jenes, welches unter den freien Marktbedingungen entsteht. Schlechtes Geld ist das Geld, welches vom Staat vorgeschrieben wird und entsprechend gegen die freien Marktprinzipien verstößt.

Diesen Ansatz erklären die Autoren anhand der Funktionen des Geldes, wovon es im engeren Sinn nur eine gibt: die Tauschmittelfunktion. Danach kann Geld gegen Waren und Waren gegen Geld getauscht werden. Darüber hinaus gibt es noch zwei Unterfunktionen des Geldes: die Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion. Sie sind nach dem Ökonomen Ludwig von Mises (1881 – 1973) keine eigenständigen Funktionen, sondern lediglich Ausdruck der Tauschmittelfunktion.

Darauf aufbauend widersprechen die Autoren der Meinung der meisten Ökonomen, dass die Geldmenge einer Volkswirtschaft mit dessen Wachstum steigen soll. Bezugnehmend auf den amerikanischen Ökonomen Murray N. Rothbard (1926 – 1995) sagen sie, dass jede gerade vorhandene Geldmenge ausreichend ist, denn die einzige Funktion des Geldes ist die Tauschfunktion.

Im zweiten Kapitel stellen die Autoren dar, was unter der Kaufkraft des Geldes verstanden werden kann, wie sie berechnet wird und wovon diese abhängt. Am Beispiel des US-Dollars wird gezeigt, dass er von Januar 1960 bis Ende 2009 86% der Kaufkraft verlor. Nicht viel besser sieht es mit den Währungen des Euroraumes und in Japan aus. Somit ist die oben erwähnte Wertaufbewahrungsfunktion nicht erfüllt. Gold wird als Gegenbeispiel vorgestellt, da es endlich ist und nicht beliebig vermehrt werden kann. An dieser Stelle wird bereits auf die zentrale Rolle der Zentralbanken eingegangen. Als Geldangebotsmonopol sind sie verantwortlich für die Geldumlaufmenge.

Kapitel drei befasst sich mit der Entstehungsgeschichte des Geldes und setzt im 14. Jahrhundert an, wonach der Bischof Nikolas von Oresme (vermutlich vor 1330 - 1382) zur Erkenntnis gelangte, dass Geld das Ergebnis des freien Marktprozesses ist. Aus der Naturalwirtschaft in der Güter gegen Güter getauscht wurden, hat sich ein indirekter Tausch über ein drittes Tauschgut entwickelt. Dieses indirekte Tauschgut ist »Geld«. Kernerkenntnis ist, dass die Produktion und das in Umlauf bringen des Geldes denselben Prinzipien gehorchen muss, denen auch das Produzieren und Tauschen aller anderen Güter in einer freien Marktwirtschaft unterliegen. Erst das ist gutes Geld. Im weiteren Kapitellauf wird das Regressionstheorem von Ludwig von Mises vorgestellt, die Verankerung des Geldes in der Güterproduktion erklärt und ein Exkurs in den alten Orient gemacht, wo die ersten Münzen erfunden wurden.

Nach diesen drei Grundlagenkapiteln befassen sich die Autoren mit einem der wohl bekanntesten Phänomene in allen Volkswirtschaften, die mit schlechtem Geld arbeiten: der  Inflation. Zunächst wird die geläufige Definition der Inflation, also das dauerhafte Ansteigen der Preise auf breiter Front, widerlegt. Denn bei dieser Definition, handelt es sich nur um ein Symptom der Inflation. Inflation ist schlicht das Ansteigen der Geldmenge in einer Volkswirtschaft. Ein kurzes Beispiel verdeutlicht die Denklogik dahinter: Wenn bei gleichbleibender Gütermenge die Geldmenge erhöht wird (Inflation), ist nun mehr Geld zum Kauf der gleichen Gütermenge vorhanden, weshalb es zu einem Preisanstieg kommen wird. Die Aussagen werden mit Schaubildern der Konsumentenpreis- und Geldmengenentwicklungen in den USA und im Euroraum dargestellt. Weiterhin zeigen die Autoren, weshalb die Inflation von Politikern und Zentralbankern verharmlost wird und dass die heute angewandte Inflationsmessung stark fehlerbehaftet ist.

Während die Autoren in den vorangegangenen Kapiteln das bestehende System kritisiert haben, stellen sie nun Free Banking als die Lösung für die aus dem Staatsgeld resultierenden sozialen Ungleichheiten und Probleme dar. Im Kern geht es darum, dass die Banken keine Kredite aus frisch produziertem Geld mehr anbieten dürfen. Ihre Rolle ist lediglich die einer Lagerstätte für das Geld der Kunden. Kredite können dann nur aus bestehenden und eingelagerten Geldmengen (und nur bei Wunsch des Eigentümers) ausgegeben werden. Die Marktteilnehmer könnten natürlich weiterhin cash und bargeldlos zahlen. Es geht beim Free Banking in erster Linie um die Trennung des Bankengeschäfts in Einlagen- und Kreditgeschäft.

Anschließend untermauern Polleit und von Prollius ihre Ausführungen mit Darstellungen bisheriger Währungsentwicklungen des 20. Jahrhunderts. Die Beispiele zeigen, dass bisher jeder Einfluss des Staates auf Geld zu Problemen für ganze Volkswirtschaften geführt hat. Die Währungsentwicklung ist eine Geschichte des schleichenden Loslösens von edelmetallgedecktem Geld. Nach und nach hat sich das Papiergeld so weit ausgebreitet, dass es nur noch zu Bruchteilen von Gold gedeckt ist. Am 15.08.1971 ist dann die letzte Goldbindung gefallen. Richard Nixon beendete das System von Bretton Woods, wonach 35 US-Dollar gegen eine Feinunze Gold eintauschbar waren und bereitete dem entfesselten Papiergeldsystem seinen Weg. Seitdem haben die staatlichen Zentralbanken sowie die Geschäftsbanken, die wiederum staatliche Banklizenzen haben, die Möglichkeit Geld durch Kreditvergabe zu vermehren, also Geld aus dem Nichts zu schaffen.

Doch warum ist das Geld überhaupt verstaatlicht, wenn es doch nachweislich nicht nachhaltig ist und Ursache vieler Krisen und Depressionen ist? Durch das faktische Geldangebotsmonopol können die hohen Staatsausgaben am einfachsten finanziert werden. Die Autoren sehen das Verschulden des Staates übrigens als eine Spielart der Besteuerung an. Denn die Verschuldung bedeutet, dass die heutigen Steuerzahler mit den Zinszahlungen belastet werden, während die Rückzahlung der Kredite von zukünftigen Steuerzahlern geschultert werden muss. Der Vorteil für den Staat ist, dass eine dadurch resultierende Inflation von den Bürgern nicht erkannt wird und im Endeffekt die Löhne steigen (als Folge der Preissteigerungen). Interessanterweise steigt bei einer progressiven Einkommensbesteuerung die Grenzbesteuerung der Einkommen - von der der Staat wieder profitiert.

Bisher sprachen die Autoren oft von einer Geldmengenausweitung. Wie genau es dazu kommt, wird in Kapitel acht erklärt. Da Zentralbanken und Geschäftsbanken Geld für z.B. Devisen-, Aktien- und Rentenpapierkauf produzieren, kommt es so in Umlauf. Ein Phänomen ist der Hebeleffekt, der aus der niedrigen Mindestreserve (Geschäftsbanken müssen einen Teil ihrer Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in Form von Zentralbankengeld vorhalten) resultiert. Im Euroraum beträgt diese Mindestreserve etwa zwei Prozent, d.h. dass pro 100 Euro Buchgeld, nur zwei Euro tatsächlich vorliegen. Wenn es zum befürchteten bankrun kommt, können die Auszahlungswünsche der Kunden nicht bedient werden.

In Kapitel neun geht es speziell um die Rolle der Zentralbanken und weshalb sie Ursache von Problemen wie chronischer Inflation und ungehemmter Umverteilungspolitik ist. Es wird logisch hergeleitet, dass Geld kein öffentliches Gut ist und es dennoch fälschlicherweise als solches betrachtet wird. Die Beispiele der Bank of England, der Reichsbank, der US Federal Reserve sowie der Deutschen Bundesbank und Europäischen Zentralbank lassen ein genaueres Verständnis über diese komplexen Institutionen zu und zeigen auf, warum eine Bank laut Politik »too big to fail« ist.

Im Kapitel Zeitpräferenz, Zins und Wohlstand stellen die Autoren dar, wie Zinsen überhaupt entstehen und weshalb diese aufgrund verschiedener Zeitpräferenzen und Vorlieben jedes einzelnen Menschen nur logische Konsequenz sind. Neben der Erklärung der Zinsen im Finanzsektor wird auch der Zins am Beispiel einer reinen Naturalwirtschaft aufgezeigt. Anschließend wird das Problem der Zinskontrolle durch die Zentralbank vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Eingriff in den freien Markt, wodurch es nach Meinung der Autoren unweigerlich zu Fehlanreizen seitens derer kommt, die investieren möchten. Während Mainstreamökonomen wie John Maynard Keynes den Staatsinterventionismus gut heißen und sagen, dass die Zentralbank den Zins senken soll, wenn das Wirtschaftswachstum sinkt, sehen Polleit und von Prollius genau darin eine weitere Ursache für die wiederkehrenden Wirtschafts- und Finanzkrisen.

Im elften und zwölften Kapitel behandeln die Autoren das Thema dieser Krisen und erklären, weshalb sie Folge des Staatsgeldes sind und den Weg in die Überschuldung zeichnen, die im schlimmsten Fall zur Hyperinflation führt. Diese beiden Kapitel gehen dabei immer wieder auf den aktuellen Stand ein und prognostizieren, wohin sich unsere jetzigen Volkswirtschaften bewegen: im schlimmsten Fall zu einen Staatsbankrott. Dieser folgt auf eine Kreditkrise. In einem freien Markt wäre die Folge eine bereinigende Deflation. Darunter ist die Rückführung der vorangegangenen inflationären Geldmengenausweitung zu verstehen. Das war zu Zeiten des Goldstandards nicht weiter tragisch, da dieser als Ankerpunkt galt und die Deflation automatisch zum Stillstand kommt, wenn die geschrumpfte Papiergeldmenge dem tatsächlich vorhandenen Goldbestand der Banken entsprach. Heute gibt es diesen Goldstandart nicht mehr, weshalb es bei einer Deflation soweit gehen kann, dass ein Ende nicht absehbar ist und immer mehr Kredite ausfallen, Banken Verluste schreiben, wodurch auch Sparer ihre Sichteinlagen verlieren und die Geldmenge noch weiter schrumpft.

Im vorletzten Inhaltskapitel wird die Hyperinflation als Folge der Geldmengenausweitung erklärt. Spätestens bei einer Hyperinflation sieht jeder Bürger, dass es sich dabei um Enteignungs- und Umverteilungspolitik handelt. Die Folge einer Hyperinflation ist meist eine Währungsreform. Ebenfalls werden wieder historische Beispiele aufgezeigt, die sich im Verlauf bis zur Hyperinflation sehr ähneln.

Schließlich zeigen Polleit und von Prollius verschiedene Wege zu gutem Geld auf. Dabei werden die Ideen verschiedener Ökonomen vorgestellt und auch negative Punkte auf dem Weg dieser Reform angeführt. So werden vor allem jene, die Staatsgeld halten, Geld verlieren. Auch würden Industrien und Arbeitsplätze, die nur aufgrund der Kredit- und Geldmengenausweitung entstanden sind, liquidiert werden. Diese Nachteile decken das auf, was bereits entstanden ist: der bisher verdeckte Verlust des Tauschwertes von Geld.

Die Autoren resümieren, dass der jetzige Weg – der immer tiefer greifende Interventionismus – in einer sozialistischen Staats- und Befehlswirtschaft mündet und dass Freiheit und Wohlstand nur durch Privatisieren des Staatsgeldes möglich ist.
 

Vielen Dank an Bastian Wilkat für die Zusammenfassung der Inhaltsangabe!