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Effectuation

Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln

von Michael Faschingbauer
rezensiert von Rainer Vollmer
 

Immer häufiger sind unternehmerische Entscheidungen unter zunehmender Ungewissheit künftiger Entwicklungen zu treffen. Eine linear-kausale Fortschreibung der Vergangenheit zur Vorhersage der Zukunft führt nur noch in wenigen Fällen zu befriedigenden Ergebnissen. Zu vielfältig und komplex sind die Einflüsse, zu hoch die Veränderungsgeschwindigkeiten, um den Weg in eine bestimmte Zukunftssituation hinreichend exakt planen zu können.
Für diese Fälle zunehmender Ungewissheit stellt das Buch „Effectuation“ einen von der Kognitionswissenschaftlerin Saras Sarasvathy  entwickelten, neuen wissenschaftlichen Ansatz für unternehmerisches Handeln vor. Darin wird Zukunft nicht als vorhersehbar, sondern als durch menschliches Handeln gestaltbar angesehen.
In 7 Kapiteln werden die Besonderheiten und Prinzipien dieser Vorgehensweise im Gegensatz zum linear-kausalen Denken herausgearbeitet, Verbindungen zwischen beiden Denkarten her-, Praxisfälle und Tools dargestellt und der aktuelle Stand der Effectuation-Forschung aufgezeigt.
Trotz noch bleibender Zweifel an der Praktikabilität dieser Methodik ist das Buch anregend – auch weil es flüssig geschrieben ist.

Viel Spaß beim Lesen!

Inhalt

  1. Kapitel

Bei jedem Vorhaben lässt sich die Zukunft idealtypisch einer der folgenden Erscheinungsformen zuordnen:

  • kalkulierbares Risiko: Das Ziel kann klar definiert werden, alle Mittel werden auf dieses Ziel konzentriert, z. B. wenn man ein Kalbsgulasch nach einem alten Wiener Rezept zubereitet,
  • Unsicherheit: Es liegen zwar viele Daten, Informationen, Meinungen und Recherchen vor, trotzdem ist das Ergebnis unsicher, z.B. der Ausgang eines Fußballspiels oder eine neue Variante des Wiener Kalbsgulasch,
  • Ungewissheit: für alle Beteiligte ist aus heutiger Sicht das Ergebnis mit bestem Willen nicht vorhersehbar, z.B. wenn man mit dem kochen will, was gerade im Kühl- und Vorratsschrank zu finden ist.

Es ist unbestritten, dass die Ungewissheit in einer zunehmend komplexeren Welt zunimmt. Diese Entwicklung ist gekennzeichnet durch

  • Vielfalt: Die Bedarfsstrukturen sind uneinheitlich, folgen keinem Trend, sind heterogen und fragmentiert,
  • Vernetztheit: Alles steht mit allem im Zusammenhang, beeinflusst sich gegenseitig,
  • Dynamik: Wissen wächst exponentiell, Verhaltensmuster ändern sich laufend,
  • Begrenzter Einfluss: Die Vielzahl der Akteure begrenzt den Einfluss des Einzelnen auf die zukünftige Entwicklung.
  1. Kapitel

Vorhaben kann und muss man entsprechend den genannten Erscheinungsformen der Zukunft mit unterschiedlichen Denkmethoden angehen:

  • linear-kausales Denken: diese Methode wird üblicherweise bei Vorhaben mit kalkulierbarem Risiko und bei Unsicherheit angewandt. Sie umfasst Werkzeuge, die dazu geeignet sind, bei gegebenen Zielen und stabilen Randbedingungen gute Entscheidungen zu treffen. Linear-kausales Denken folgt dem Grundmuster Zielformulierung - Analyse der schnellsten, billigsten und effizientesten Zielerreichung – entscheiden – planen - Ressourcen akquirieren - umsetzen.
  • Effectuation ist ein zyklischer Prozess. Er beginnt mit einer Bestandsaufnahme der verfügbaren Mittel (Kenntnisse, Fähigkeiten, Informationen, Finanzen) und den Handlungsalternativen. Durch die Interaktion mit anderen an einem Projekt interessierten Menschen und Vereinbarungen mit diesen werden neue Mittel akquiriert und neue Handlungsalternativen geschaffen. Im Verlaufe dieser zyklischen Vorgehensweise nimmt das Ziel immer konkretere Formen an. Ab einem bestimmten Punkt macht es dann Sinn, zur linear-kausalen Methode überzuwechseln. Das für Effectuation ideale Handlungsumfeld ist demnach durch Ungewissheit der Zukunft, verhandelbare Ziele und ein gestaltbares Umfeld gekennzeichnet.
  1. Kapitel

Effectuation folgt den folgenden vier Regeln, die es ermöglichen, Effectuation zu erlernen und bewusst anzuwenden:

  • Prinzip der Mittelorientierung: Während die linear-kausale Vorgehensweise dem Prinzip der Zielorientierung folgt und nach Mitteln und Wegen sucht, dieses Ziel möglichst effizient zu erreichen, geht Effectuation mittelorientiert vor. Die verfügbaren Mittel ergeben sich aus den Antworten auf die Fragen: Was bin ich:  Identität, Werte, Charakter, Vorlieben, Was weiß ich: Wissen, Fertigkeiten, Erfahrungen und Wen kenne ich: Kontakte, Netzwerke. Auf der Grundlage dieses Mittelbestandes ergeben sich erste Überlegungen, welche Ergebnisse mit diesen Mitteln erzielt werden könnten.
  • Prinzip des leistbaren Verlustes: Während die linear-kausale Vorgehensweise dem Prinzip des erwarteten Ertrages folgt, d.h. der zu erwartende Ertrag bestimmt den Mitteleinsatz, orientiert sich bei Effectuation der Mitteleinsatz am leistbaren Verlust. Da das Ziel ungewiss ist, gilt es, das Verlustrisiko zu kontrollieren und die Handlungsfähigkeit auch bei Eintritt des Verlustes aufrecht zu erhalten.
  • Prinzip der Umstände und Zufälle: Während beim linear-kausalen Vorgehen alles Unerwartete als Störung wahrgenommen wird, begreift Effectuation besondere Umstände und Zufälle als Chancen für neue Ziele. Unerwartetes bietet die Möglichkeit, Kontrolle über eine ungewisse Zukunft zu erlangen. Effectuation setzt dort den Hebel an, wo sich die Welt nicht gemäß den Erwartungen verhält.
  • Prinzip der Vereinbarungen und Partnerschaften: auch bei der linear-kausalen Vorgehensweise werden Partnerschaften geschlossen. Sie sind aber Bestandteile eines Planes und folgen definierten Schnittstellen. Effectuation dagegen kommuniziert frühzeitig mit denen, die Interesse an dem Vorhaben zeigen und trifft mit denen Vereinbarungen, die bereit sind, Mittel beizusteuern und Risiko und Verantwortung zu übernehmen.

In dem Buch werden diese Prinzipien und Vorgehensweisen durch Beispiele aus der Praxis erläutert und unterlegt.

  1. Kapitel

Effectuation steht und fällt mit dem Handeln, während die kausale Logik vor allem von Vorhersage und Planung lebt. Dabei bilden Handeln und Denken bei Effectuation eine Einheit. Handeln schließt Planung auch nicht aus. Im Mittelpunkt stehen dabei allerdings Abfolgen von Handlungsschritten.

Im weiteren Verlauf dieses Kapitels werden die idealtypische Gegenüberstellung von linear-kausaler Vorgehensweise und Effectuation  wieder aufgegeben und beide Methoden in vier Kombinationen wieder zusammengedacht. Daraus ergeben sich die Strategien des

  • Planers, der sich auf exakte Analyse und Vorhersage der Zukunft und auf Planung der Vorgehensweise konzentriert.
  • Anpassers, der die laufende Entwicklung beobachtet und sich verändernden Randbedingungen möglichst schnell anpasst.
  • Visionärs, der Vorstellungen von der Zukunft hat und sich darauf konzentriert, diese entsprechend seinen Vorstellungen zu gestalten.
  • Effectuators, der seine Mittel und Kontakte nutzt, um in einer veränderlichen und ungewissen Welt etwas Neues zu schaffen.

Mit dieser Verbindung aus Effectuation und kausaler Logik wird es schwer, in der jeweiligen Situation den passenden Methoden-Mix zu finden und anzuwenden. Spätestens an diesem Punkt wird das Ganze sehr theoretisch und realitätsfern, auch wenn versucht wird, einige Kriterien für die Auswahl des zutreffenden Methoden-Mix zu entwickeln.

  1. Kapitel

In diesem Kapitel kommen verschiedene Gastautoren zu Wort, welche die Methoden und Vorgehensweisen von Effectuation  mit verschiedenen Handlungsfeldern verknüpfen und darstellen, wo Effectuation besonderen Nutzen stiften kann und welche Elemente von Effectuation in den jeweiligen Handlungsfeldern relevant sind.

Folgende Anwendungsfelder werden behandelt:

  • Unternehmensgründungen und Gründungsbegleitung: Dort ist die Anwendung von Effectuation am offensichtlichsten. Anhand des Gründungsunternehmens PicoLas des Gründerzentrums der RWTH Aachen wird dargestellt, wie ausgehend von der Persönlichkeit, dem Wissen und des Netzwerks des Gründers mit der Unterstützung von Partnern eine Reifung des Projektziels erreicht wird und wie man sich nach der Methode des leistbaren Verlustes diesem Projektziel immer weiter annähert.
  • Führung und Management: Hier wird eine Verknüpfung zwischen „Positive Leadership“ und Effectuation hergestellt. Dabei wird Positive Leadership als eine Haltung verstanden, die sich auf vorhandene Ressourcen und Stärken fokussiert, damit diese ihre volle Wirkung entfalten können. Es wird eine Reihe von Gemeinsamkeiten in den Denkhaltungen und Praktiken von Positive Leadership und Effectuation herausgearbeitet mit dem Ergebnis, dass Effectuation in der Führung in ihren Grundzügen bereits angekommen ist.
  • Innovation: Am Fall der Gore & Associates (Gore-Tex), einem der 50 innovativsten Unternehmen des Jahres 2009, wird dargestellt, wie umfangreich und intensiv Elemente des Effectuation im Innovationsprozess von Gore verankert sind. Hier wird eine vom Normalfall stark abweichende Herangehensweise an Innovationen praktiziert, die man als geradezu idealtypisch für einen Einsatz des Methoden-Pools von Effectuation ansehen kann.
  • Unternehmensführung: Es wird ein Unternehmen beschrieben, das Effectuation intuitiv in all seine Geschäftsbereiche integriert hat. Kennzeichnend dafür sind u.a. die Teilung von Organisationen, sobald eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern (z.B. 150) überschritten wird, die Möglichkeit, dass Mitarbeiter in einem zeitlich festgelegten Rahmen eigenen Geschäftsideen nachgehen können, neue transparente Ent- und Belohnungssysteme, eine Kultur der Sicherheit nach gemachten Fehlern, in der Fehler ein Mechanismus des Lernens sind, offene Prozesse mit unterschiedlichen Prozessmustern innerhalb einer Organisation. Die Autoren dieses Abschnitts sprechen sich mit Effectuation für neue Denkansätze im Management von Produktentwicklungen, in der Suche nach neuen Märkten und in der Gewinnung, Förderung und Bindung von Mitarbeitern aus.
  • Karriereentwicklung: Hier wird untersucht, was Effectuation bei der Karriereplanung und Jobsuche bringt und wie man sich unter Bedingungen der Unsicherheit im Berufsleben und auf dem Arbeitsmarkt bewegt. Das wesentlichste Element ist dabei, „ins Tun zu kommen“ mit der Haltung eines ethnologischen Feldforschers, also sich nicht bei der Planung des Vorgehens und des Ziels allzu sehr aufzuhalten.
  • Beratung und Coaching: Beratung nach Effectuation verzichtet auf die Rituale der Zielentwürfe und fragt nach den zur Verfügung stehenden Mitteln einschließlich der Wünsche und Zielvorstellungen über die eigene Zukunft. Orientiert sich der Berater am dynamischen Modell von Effectuation, führt dies ins erkundende Handeln. Ins Tun kommen – das Machbare in kleinen Schleifen angehen, auch wenn der Kopf noch nicht genau weiß, wo das hinführen kann – ist der zentrale Nutzen von Effectuation im Beratungsgeschäft.
  1. Kapitel

In diesem Kapitel findet sich eine Auswahl erprobter Tools mit Beschreibungen und Anwendungshinweisen für die praktische Anwendung von Effectuation in eigenen Vorhaben.
Entsprechend der Vorgehenssystematik von Effectuation sind die Tools untergliedert in

  • Tools zur Mittelanalyse,
  • Tools zum Eruieren des leistbaren Verlustes,
  • Tools zum Nutzen von Umständen und Zufällen,
  • Tools zum Aushandeln von Vereinbarungen,
  • Tools zum Handeln nach Effectuation.

Die Darstellung in Rezeptform ist äußerst detailliert und praxisorientiert und nimmt Effectuation ein wenig von dem in den vorausgegangenen Kapiteln vorherrschenden wissenschaftlich-theoretischen Anstrich.

  1. Kapitel

In diesem letzten Kapitel wird über den Stand und die Ergebnisse der Effectuation-Forschung berichtet. Effectuation hat sich aus der Entrepreneur-Forschung entwickelt, die bereits 1960 in den USA ihren Anfang nahm. In 2001 publizierte Saras Sarasvathy erstmalig ausführlich über Effectuation. In den Folgejahren haben sich auch andere Forscher mit der Materie beschäftigt und ausführliche Feldforschung betrieben.
Die Effectuation-Forschung ist noch in vollem Gange. Im Mittelpunkt stehen dabei Untersuchungen über weitere Anwendungsfelder im Marketing, bei der Forschung und Entwicklung, im strategischen Management, bei Innovationen, bei technologiebasierten Gründungen, bei Geschäftsplanungen und auf anderen Gebieten.

Wer sich über den aktuellen Stand der Effectuation-Forschung und deren weiteren Fortgang auf dem Laufenden halten möchte, kann dies über www.effectuation.org tun.