So erreichen Sie uns:

Telefon:
+49 (0) 700 - VUNDS 000
+49 (0) 700 - 88637 000
 
E-Mail:
 
Standort Hannover:
Vollmer & Scheffczyk GmbH
Leisewitzstraße 41
30175 Hannover
 
Standort Stuttgart:
Vollmer & Scheffczyk GmbH
Feuerseeplatz 14
70176 Stuttgart
 
Geschäftsführung:
Andreas W. Simon & Benno Löffler
Kontakt

Wirtschaft braucht Anstand

Der Unternemer Wolfgang Grupp

von Erik Lindner
rezensiert von Rainer Vollmer

 

Der Werbespot zur besten Sendezeit mit dem sprechenden Affen hat den Unternehmer Wolfgang Grupp zum wohl bekanntesten Mittelständler in Deutschland gemacht. Im maßgeschneiderten Anzug wirbt er wirkungsvoll für seine Trigema-Produkte und den Erhalt der Arbeitsplätze seiner 1200 Mitarbeiter auf der Schwäbischen Alb. Er ist in jeder Beziehung eigenwillig, in seinem Lebensstil (Hubschrauber, Eigenjagd), in seinem Geschäftsmodell (produziert nur in Deutschland) und in seiner Kritik an der Effizienz und dem Führungsverhalten deutscher Manager (Absahnmentalität, mangelnde Verantwortung). Das Manager Magazin charakterisiert ihn 1995 als arrogant, unbequem und erfolgreich.

Er hat alle seine Konkurrenten übertroffen. Wie macht er das? Was macht er anders als andere?

Hier wird ein recht kontroverses Porträt vorgelegt, das sich zu lesen lohnt, weil es anregend und unterhaltend ist.

Viel Spaß beim Lesen!

1. Werdegang

Wolfgang Grupp wurde 1942 in Burladingen auf der Schwäbischen Alb geboren. Sein Großvater mütterlicherseits betrieb schon seit 1919 die Mechanische Trikotwarenfabrik Gebr. Mayer KG. Nach dessen Tod im Jahre 1956 übernahm sein Vater das Unternehmen.
Mit elf Jahren kam Wolfgang Grupp auf das Jesuiten-Kolleg in St. Blasien, das er acht Jahre lang bis zum Abitur besuchte. 1961 begann er mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln. Ein großzügig bemessener Monatswechsel erlaubte ihm eine Dreizimmerwohnung, ein Cabrio und ein Reitpferd.
Nach dem Diplom begann er mit einer Promotionsarbeit, übernahm  aber aus der Ferne immer wieder erfolgreich vertriebliche Sonderaufgaben. Er koordinierte die Bestellungen von Tennis-Sporthemden und konnte einen größeren Posten alter Herrenunterhemden nach Umarbeitung in poppige Designs absetzen.

Sein Vater hatte bis Ende der sechziger Jahre die von seinem Schwiegervater angesammelten Liquiditätsreserven durch Investitionen in Diversifikationsunternehmen verbraucht und war in eine dramatische Abhängigkeit von den Banken geraten. Die deutsche Textilindustrie verlagerte ihre Produktion zunehmend ins Ausland um dem Preisdruck zu begegnen. Die Erträge des Burladinger Unternehmens sanken.

In dieser Situation rief der Vater seinen Sohn nach Hause. Er sollte dem Abwärtskurs Einhalt gebieten. Der Sohn folgte dem Ruf bereitwillig und legte seine begonnene Dissertation ad acta.
Er brachte die Idee mit, T-Shirts mit wechselnden Aufdrucken herzustellen und als zukunftsträchtigen Trigema-Artikel in das Sortiment einzugliedern. Im Zuge dieser Umgestaltungsprozesse kam es zu Reibereien mit seinem Vater, die bis zu dessen Ausscheiden 1975 anhielten. Danach war Wolfgang Grupp alleiniger Herr im Haus und konnte seine Ideen und Vorstellungen ungehindert umsetzen.

2. Geschäftsmodell

  • Er stellte die bisher durch die saisonalen Einflüsse stark schwankende Auftragsproduktion auf eine kontinuierliche Lagerproduktion um. Dadurch erreichte er eine optimale Ausnutzung seiner personalintensiven Kapazitäten und eine schnelle Belieferung seiner Kunden auch bei hohen Bestellmengen. Wolfgang Grupp legt heute noch persönlich die Mengenvorgaben der täglich zu produzierenden Stoffe fest.
  • Prestigeträchtige Großaufträge mit geringen Margen lehnt Wolfgang Grupp ab. Er setzt auf profitable Geschäfte mit dem Facheinzelhandel oder mit den 46 eigenen Verkaufsstellen.
  • Grupp hat die Verwaltung extrem schlank gestaltet und in einem 300 qm Großraumbüro untergebracht, in dem auch er und seine Frau ihre Arbeitsplätze haben. Jeder Telefonanruf wird angenommen, um aufwändige Rückrufe zu vermeiden. Firmeneigene Handys gibt es nicht, interner E-Mail-Verkehr ist untersagt.
  • Grupp schwört auf Unabhängigkeit. Er hat alle von seinem Vater angehäuften Bankkredite zurückgezahlt, schließt keine Leasingverträge ab, zahlt seine Lieferanten sofort bei Bestellung und hat damit eine Eigenkapitalquote von 100% erreicht.
  • Er stellt höchste Anforderungen an die Qualität seiner Produkte, verfolgt eine hohe Schadstofffreiheit seiner Stoffe und hat damit die Reklamationsquote auf nahezu 0% gesenkt.
  • Mit drei Produktionsstätten und 46 Testgeschäften in Deutschland bleibt sein Unternehmen übersichtlich. Sprunghaftes Wachstum wird vermieden.
  • Grupp verzichtet weitgehend auf die Inanspruchnahme von externen Dienstleistungen wie Unternehmensberatung. Selbst die Models für die Werbung rekrutiert er aus dem Nachwuchs der Unternehmerfamilie.
  • Am wichtigsten sind ihm die Sicherung der Arbeitsplätze seiner „Betriebsfamilie“ und eine starke Mitarbeiterbindung, obwohl er nicht gerade Spitzenlöhne bezahlt.

3.   Politische Überzeugungen

Wolfgang Grupps politische Heimat ist das konservative Milieu. Allerdings ist er nur für kurze Zeit CDU-Mitglied und hält nach seinem Austritt Distanz zu diesen Institutionen der Demokratie. Auch Parteispenden kommen für ihn nicht in Frage. Er ist unbequem aus Überzeugung und meidet jede Art von politischer Bindung. So ist es nicht überraschend, dass er auch keinen Arbeitgeberverbänden angehört. Mit Hans-Olaf Henkel, dem langjährigen BDI-Präsident, hat er in der Öffentlichkeit manche kontroverse Diskussion geführt. Henkel bezeichnet Grupps Managerschelte und seine Aufforderung, nur in Deutschland hergestellte Ware zu kaufen, als unsachlich und populistisch. In der Tat weiß man bei Grupp nie, ob hinter seinen in zahlreichen Talkshows vorgebrachten provokanten Thesen innere Überzeugung steckt oder allein die Absicht, sich und sein Unternehmen werbewirksam darzustellen. Man darf allerdings unterstellen, dass es ihm mit der Anmahnung von Verantwortung und persönlicher Haftung als Voraussetzungen von Anstand in der Wirtschaft ernst ist. Seine Meinung unterfüttert er mit vielen praktischen Forderungen von der persönlichen Haftpflicht eines Managers im Konkursfall bis zur Steuervergünstigung von persönlich haftenden Unternehmern. Hier legt sich Grupp schon mal in direkten Briefen und in Zeitungsbeiträgen mit den CDU-Oberen an, während er bei der SPD und den Gewerkschaften mit seiner Forderung nach Mindestlöhnen Gefallen findet. Er ist eben unintegrierbar und überlässt in der Öffentlichkeitswirkung nichts dem Zufall. Er ist alles in einem: Rufer in der Wüste, Selbstdarsteller und wirksamer Werbeträger seines Unternehmens.

4.   Privatleben

Grupp’s Privatleben ist durch einen aufwändigen Lebensstil geprägt, den er von seinem Großvater und Vater übernommen hat. Schon vor seinem Studium macht er den Jagdschein und besitzt heute eine große Eigenjagd im Allgäu, wohin er sich häufig an Wochenenden zurückzieht.

Als vierzigjähriger Junggeselle lässt er das großväterliche Haus gegenüber der Firmenzentrale abreißen und baut sich auf einem 25.000 qm großen Grundstück eine großzügige Reetdachvilla mit Hauskapelle, Damenzimmer, Kinderzimmer und einem 45 m langen Außenpool.

1986 lernt er auf einer Jagdeinladung in der Obersteiermark die um 22 Jahre jüngere Elisabeth von Holleufer kennen, die er 1988 in Burladingen mit einem bemerkenswerten Fest heiratet. Es gehört ebenso zu Grupps Eigenheiten, dass er sich nach der Hochzeit noch über Jahre gerichtlich mit dem Caterer Käfer über die Höhe der Rechnung herumstreitet.

Um die Erziehung der 1989 und 1991 geborenen Kinder kümmern sich die Eltern in vorbildlicher Weise - auch wenn diese dann in noch jungen Jahren auf ein exklusives Schweizer Internat geschickt werden. Noch heute erfahren die beiden in London studierenden Kinder viel elterliche Aufmerksamkeit und Wolfgang Grupp widmet seinen Kindern mehr Zeit als er von seinem Vater erfahren hat. Früh werden die Kinder werbewirksam in den Dienst der Firma gestellt und die Auftritte der Familie bei Betriebsfeiern sind bis zum letzten Detail durchgestylt.

2009 erwirbt Wolfgang Grupp mit Zustimmung des Gemeinderats am Rande des städtischen Friedhofes ein 600 qm großes Areal, das er mit einer weißen Mauer einfrieden und auf dem er eine von einem Landschaftsarchitekten gestaltete Grabstätte anlegen lässt. Wolfgang Grupp überlässt nichts dem Zufall, auch über seinen Tod hinaus.

Allerdings ist seine Nachfolge in der Firma noch nicht abschließend geregelt. Noch ist Trigema Wolfgang Grupp. Sein Einsatz ist unermüdlich, seine Auftritte sind unverändert schneidig und seine Gesundheit scheint unverwüstlich. Seine „Betriebsfamilie“ dankt es ihm mit nahezu nibelungentreuer Gefolgschaft, der auch seine Extravaganzen nichts anhaben können.

Hier können Sie das Buch kaufen