As One
Individual action - collective power
von Jim Quigley und Mehrdad Baghai
rezensiert von: Andreas Simon
Die Liste gut gemeinter und ausführlicher „Leadership“ Literatur ist lang. Häufig versuchen diese „How-to-do“-Bücher mit Ratschlägen, ein bestimmtes Führungsbild zu entwerfen und den Leser gegebenenfalls von diesem zu überzeugen. „As One“ ist anders und zeigt eher die verschiedenen Führungsstrategien auf. Es veranschaulicht, wie eine Führungskraft es schafft, Menschen zu bewegen, das volle Potenzial aller Teammitglieder zu mobilisieren und individuelle Aktionen zu kollaborativer Stärke ausbaut. Zusammen. As One.
Dafür untergliedern die Autoren acht Führungskonzepte. Zur Untermauerung ihrer Thesen bedienen sich die Autoren an einem großen Vorrat von 60 detaillierten Fallstudien und weitreichender Führungs- und Beratungserfahrung. Das Buch wimmelt nur so von Erzählungen, Geschichten und Beschreibungen aus der Praxis und macht es so sehr kurzweilig. Die Autoren, Jim Quigley und Mehrdad Baghai, stellen unterschiedlichste Firmenkonzepte und Führungsstile dar sowie dessen Erfolge und das Umfeld in denen jeweils das Führungskonzept eingesetzt wird. Dabei vermeiden sie stets, als besserwisserischer Ratgeber aufzutreten. Sie rücken vielmehr ihre Ansätze aus der Praxis in den Mittelpunkt und stellen sie immer in Verbindung mit Fallbeispielen dar. Mit Fragen zur Reflektion regen sie den Leser an, zu überlegen, ob dies denn der richtige Ansatz für ihre Situation sei. So kommt das Buch nicht als „neuer“ Führungsansatz daher, sondern es versucht die existierenden Ansätze sowie den geeigneten Kontext des jeweiligen Führungsstils zu umreißen. Die Autoren überlassen es dem Leser, die Vorteilhaftigkeit dieses Ansatzes für ihre Situation einzuschätzen.Insgesamt ein Buch, welches sich (obwohl in Englisch) leicht lesen lässt; auch durch die einfache Strukturierung und die vielen Geschichten, welche die dröge Theorie bildhaft veranschaulicht. Der Leser lernt viele interessante Firmen und Managementansätze kennen. Lediglich die Anwendung oder jeweilige genaue Umsetzung dieser Stile wird nicht klar herausgearbeitet. So bleibt es ein Buch, das dem Leser einen ersten Überblick über Führungsstile verschafft, er jedoch für die Anwendung mit entsprechender Fachliteratur weiter in die Materie einsteigen muss.
Viel Spaß beim Lesen!
Das Buch kategorisiert Führungsstile in acht Archetypen, welche sich aus der Durchsicht von Management-Literatur und Fallstudien ergeben. Diese Klassifizierung spiegelt gleichzeitig die gesamte Struktur des Buches wider. Die Autoren bilden die einzelnen Archetypen vor ihrem individuellen Hintergrund ab und ordnen ihnen einen Führungsstil zu, den sie in einer Fallstudie in der praktischen Anwendung darstellen. Welche Schlüsselcharakteristika diese Führungsstile ausmachen, erfährt der Leser im dritten Unterkapitel. Der letzte Teil stellt einen Fragenkatalog dar, der den Leser zum Reflektieren über die Eignung und Verbesserung dieses Führungsstils einlädt und versucht ihn über seine eigene derzeitige Situation zu reflektieren.
Die acht verschiedenen Führungsstile sind Vermieter & Mieter, Organisator & Freiwillige, Dirigent & Orchestra, Produzent & Team, General & Soldaten, Architekt & Bauherren, Trainer & Mannschaft und Senator & Bürger*. Jeder der Führungsstile ist bewusst mit den entstehenden Bildern der jeweiligen Bezeichnung verknüpft.
*Alle Archetypen wurden zum besseren Verständnis für diese Rezension aus dem Englischen Übersetzt.
Vermieter & Mieter
Dieser Stil zeichnet sich durch klare top-down Strategie und Macht aus. Der Vermieter hält den Zugriff auf wichtige und knappe Ressourcen in der Hand. Er entscheidet welcher Mehrwert für ihn am geeignetsten ist und wie er diesen erreichen wird. Die Bedingungen unter denen die Mieter teilnehmen dürfen, werden damit von dem Vermieter klar vorgegeben. Die Mieter entscheiden freiwillig über die Teilnahme zu den vorgeschriebenen Bedingungen, wobei dies häufig auch in ihrem Interesse ist. Vermieter erhalten ihre Macht, indem sie einen klaren Wettbewerb unter den Mietern inszenieren und die besten regelmäßig belohnen. Damit stellen sie sicher, dass über die Zeit und wachsende Zahl der Mieter auch die Macht der Vermieter wächst.
Das Business Modell des Apple-App-Store ist ein gutes Beispiel für dieses Führungsprinzip.
Organisator & Freiwillige
Dieses Führungskonzept basiert auf dem Bottum-up-Prinzip, Autonomie und der Unabhängigkeit der Mitarbeiter sowie die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung. Organisatoren wecken das Interesse der Freiwilligen durch interessante Möglichkeiten und Herausforderungen, an denen die Freiwilligen teilnehmen können. Dadurch verfügen Organisatoren über wenig direkte Macht. Sie werden versuchen die Freiwilligen, durch die interessanten Herausforderungen, über das in sie gesetzte Vertrauen und die Berücksichtigung aller Ansichten für sich zu gewinnen. Die Freiwilligen einigt eine Parole oder die Bestrebung zur Selbstverwirklichung. Sie gewinnen an Macht durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit.
Das Linux-Betriebssystem-Phänomen ist ein gutes Beispiel für dieses Führungsprinzip.
Dirigent & Orchester
Dieses Führungskonzept basiert auf streng formalisierten und klar definierten Regeln, die sich durch Präzision und Effizienz des Dirigenten auszeichnen. Die Mitglieder des Orchesters, die einen eher homogenen Hintergrund teilen, müssen Spezialisten ihres Faches sein, um den Anforderungen gerecht zu werden. Dazu werden die Mitglieder des Orchesters sehr sorgfältig ausgewählt. Zum Orchester zu gehören, verbindet Passion und Profession: Es gibt den Mitgliedern die beste Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und gleichzeitig das zu tun, was sie am liebsten tun und am besten können.
Die Forscher in einer hochspezialisierten Forschungseinrichtung sind ein gutes Beispiel für diese Gruppe.
Produzent & Team
Dieses Führungskonzept besteht typischerweise aus einem Produzenten, der seinem kreativen Team die Freiheit lässt, ihre beste Arbeit zu tun, um damit ihr natürliches Potential zu erreichen. Die Produzenten sind charismatische Menschen. Sie bringen ein Team aus extrem motivierten, kreativen, sehr gut ausgebildeten und unabhängigen Individuen zusammen, um das Ziel des Produzenten gemeinsam zu erreichen. Sie führen mit Vision, während das Team über regelmäßige Treffen und Austausch untereinander in einer offenen Kultur der Zusammenarbeit neue Ideen generiert. Sie nutzen Meinungsverschiedenheiten, um kreative Grenzen zu überwinden. Meistens müssen die Produzenten und das Team laufend innovative Ideen generieren, um den Bestand ihrer Organisation zu sichern.
Ein gutes Beispiel des Produzenten & Team Führungskonzeptes ist die Show bzw. das Modell des „Cirque du Soleil“.
Generäle & Soldaten
Dieses Führungskonzept basiert auf einer Kommando- und Kontrollkultur, gepaart mit einer stark ausgeprägten hierarchischen Struktur, die der klaren und verbindlichen Mission des Generals folgt. Die Tätigkeiten der Soldaten sind klar definiert und formalisiert. Sie werden durch eindeutige Regeln der Beförderung für alle Ebenen und die Aussicht auf diese motiviert. Soldaten durchlaufen eine strenge und intensive Ausbildung, um die Armee und ihre Kultur zu verstehen und sich spezielle Fähigkeiten anzutrainieren. Die Soldaten sind loyal untereinander und der Mission sowie der Institution verpflichtet, für die sie arbeiten. Der General führt mit einer strikten top-down Ausrichtung.
Die Marriott Hotelkette und ihr besonderes Einstiegsprogramm für Gastarbeiter ist ein gutes Beispiel für dieses Führungskonzept.
Architekten & Bauherren
Dieses Führungskonzept fokussiert die kollaborative Zusammenarbeit der kreativen und erfinderischen Gruppen von Bauherren, die von einem visionären Architekten selektiert werden, um eine fast unmögliche Vision Realität werden zu lassen. Die Vision ist zumeist so innovativ und ambitioniert, dass sie mit „normalen“ Strukturen und Vorgehensweisen nicht erreicht werden kann. Bauherren müssen daher häufig umdenken oder neu denken, um diese Visionen erreichen zu können. Bauherren sind bestrebt ambitionierte Abgabetermine einzuhalten, welche in einen engen Zeitplan eingebunden sind.
Die Entwicklung des weltweit günstigsten Autos durch Ratan Tata- der Tata Nano- ist ein gutes Beispiel für dieses Führungskonzept.
Trainer & Mannschaft
Dieses Führungskonzept hat minimale Hierarchiestrukturen und agiert wie ein geschlossener und dynamischer Organismus, der sich neuen Strategien und Herausforderungen sehr agil anpasst. Mitglieder identifizieren sich stark mit der Mannschaft und haben enge Kommunikationsnetzwerke untereinander. Die Mannschaft pflegt einen kameradschaftlichen und vertrauensvollen Umgang miteinander. Die kollektiven Bedürfnisse haben einen höheren Stellenwert als die individuellen Bedürfnisse. Der Trainer ist als Teil des Teams zuständig für deren Motivation und unterstützt es in allen Belangen.
Die Mitarbeiter und Funktionsweise des indischen Essen-Lieferservice in Mumbai, die „dabbawalas“, sind ein gutes Beispiel für dieses Führungskonzept.
Senator & Bürger
Nach diesem Führungskonzept übernimmt der Senator die Verantwortung für das Fortbestehen und die Kontinuität der Gemeinschaft, beruhend auf den Werten, die der Senator skizziert. Souveränität wird von beiden Parteien gehalten – dem Senator und der Gemeinschaft, wobei die Mitglieder der Gemeinschaft nach Demokratie, Freiheit und Autonomie streben. Da die Mitglieder der Gemeinschaft autonom sind, ist die Struktur flexibel und kann sich fortwährend ändern. Es gibt keinen beständigen Rahmen oder eine feste Struktur, nach der sich die Gemeinschaft organisiert. Stattdessen entstehen eine Richtung und Strukturen durch die Generierung von Ideen und dem Zusammenarbeiten mit anderen Bürgern. Der Senator ist eine Art Leitfigur, der die Entscheidungsfindung und -prozesse der Bürger betreut.
Die flexible Struktur und einzigartige Unternehmenskultur von W.L. Gore & Associates ist ein gutes Beispiel für dieses Führungskonzept.
Wir danken unserem Diplomanden Timon Kabelac für die Erstellung der Inhaltsangabe.


