Das Edison-Prinzip
Der genial einfache Weg zu erfolgreichen Ideen
von Jens-Uwe Meyer
rezensiert von Benno Löffler
Wie Thomas Edison Ideen zum Erfolg führte und welcher Systematik er sich bediente, dem nimmt sich diese Lektüre an. In der Ideenentwicklung spricht man vom Edison-Prinzip. Im gleichnamigen Buch soll der Leser lernen, wie einfach dieses Prinzip anzuwenden ist und wie er dieses Wissen im Alltag anwenden kann. Aufgeteilt ist das Buch in drei Teile: Die Einleitung, die Erklärung zum Edison-Prinzip (Teil 1) und die sieben Gesetze der Kreativität (Teil 2).
Die Inhalte aus den 201 Seiten hätten auch gut in einem 10-seitigen Paper Platz gefunden. Der Autor wiederholt sich auffallend oft und die Inhalte sind in meinen Augen nicht trennscharf aufbereitet. Meyer spricht beim Edison-Prinzip von einer wirklichen einfachen Methode, mit der jeder Ideen zum Erfolg führen kann. Das theoretische Wissen mag eine wichtige Komponente bei der Ideenfindung sein, dennoch ist Leidenschaft die Grundvoraussetzung. Der Autor bringt sehr viele Geschichten an, die das Buch zwar leicht lesbar, aber leider nicht besser werden lassen.
Für alle, die sich bereits mit Problemlösung und Ideenfindung befassen, wird das Buch nicht viel Neues bringen. Für alle anderen ist es eine angemessene Basis-Literatur.
Inhalt
Das Edison Prinzip ist keine Kreativtechnik, sondern eine Denkweise. Benannt wurde es nach Thomas Edison. Jedem Kind ist er bekannt als Erfinder der Glühbirne. Aber die ist nur eine seiner bahnbrechenden Ideen gewesen. Sein Credo lautete: alle zehn Tage eine kleine Erfindung und alle sechs Monate eine große zum Erfolg führen. Und darum geht es in diesem Buch: Ideen zum Erfolg führen.
Ideenreichtum hat wenig mit Persönlichkeit zu tun. Es ist vielmehr eine Kombination aus Motivation, Fachwissen und kreativen Fähigkeiten.
- Fachwissen: Eine gewisse Basis muss vorhanden sein, ansonsten können keine Verknüpfungen stattfinden (diese kann sich jeder aneignen)
- Kreative Fähigkeiten: Darunter ist zu verstehen, dass man in der Lage ist, Probleme zu verstehen und diese aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, unterschiedliche Wissensgebiete miteinander zu vernetzen, assoziativ zu denken oder ein gewisses Abstraktionsvermögen aufzuweisen.
- Motivation: »Kein Fachwissen und keine Kreativmethode kann fehlende Motivation kompensieren. Aber bis zu einem gewissen Maß kann Motivation ein Defizit an Fachwissen und an kreativen Fähigkeiten ausgleichen.«
Edison war einer der begnadetsten Erfinder unserer Zeit. Er hatte Denkfabriken, Menschen kamen zu ihm, um zu erfahren, wie man Ideen zu erfolgreichen Erfindungen entwickelt. Sie lernten dort die sechs Schritte:
Teil 1: Edison – Sechs Schritte zur erfolgreichen Idee
Vor einer Idee steht der Geistesblitz. Edison hat geschafft, diese Geistesblitze systematisch aufleuchten zu lassen und daraus Ideen in sechs Schritten zu entwickeln. Der Autor bemüht sich die sechs Schritte mit den sechs Buchstaben E-D-I-S-O-N's Namen in Verbindung zu setzen. Zur Erklärung der Schritte nutzt er Beispiele aus der Erfindung der Glühbirne:
E wie Erfolgschancen finden
Die Elektrifizierung der Stadt hatte begonnen und Edison erkannte die Vorteile: Elektrisches Licht ist preiswerter und sicherer als die vorherrschenden Gas- und Kerzenleuchter.
Auch das Telefon war bereits erfunden, jedoch war die Sprachqualität sehr schlecht. Auch hier erkannte Edison die Möglichkeit, das Mikrofon zu verbessern.
Chancen zu erkennen, die andere nicht sehen, ist der erste Schlüssel zu mehr Kreativität.
D — Denkautobahnen verlassen
Viele Forscher hatten bereits versucht, die Glühbirne zu erfinden. Edison schaffte es, indem er ein Problem aus verschiedenen Perspektiven betrachtete: Der Glühfaden brennt nicht lange genug? Was könnte der Grund sein? Falsches Material, richtiges Material falsch verarbeitet, falsche Umgebung, Windung des Materials oder die Form der Lampe?
I — Inspiration suchen
Warum das Rad neu erfinden, wenn es woanders schon eine Lösung gibt? Aus anderen Fachgebieten zum Beispiel.
S — Spannung erzeugen
Edisons Credo: Ausprobieren, testen, experimentieren. Bis die Idee da war. So erzeugen Sie ein Gewitter aus Ideen.
O — Ordnen und optimieren
Denken Sie an das Gesamtsystem. Fügt sich Ihre Idee in das System ein? Oder können Sie ein System entwickeln? Edison erfand die Glühbirne nicht aus reinem Selbstzweck. Er entwickelte Kraftwerke, Leitungen, Schalter, Sicherungen sowie Messgeräte und organisierte das sinnvolle Ganze.
N — Nutzen maximieren
Sie haben eine Idee? Was nützt es dann, wenn Sie damit hinter dem Berg halten? Teilen Sie es relevanten Zielgruppen mit! Vermarkten Sie Ihre Idee. Edison wusste seine Ideen zu vermarkten. So organisierte er zur Vorstellung der Glühbirne Umzüge durch New York: »Menschen, die mit leuchtenden Lampenketten durch Manhattan marschierten […] Nachdem er den Phonographen erfunden hatte, schleppte er das Gerät persönlich in die Redaktion eines Wissenschaftsmagazins. Und um für seine Filmkamera zu werben, baute er ein eigenes Filmstudio auf, in dem er den ersten Skandalfilm der Geschichte produzierte, der einen Kuss auf Zelluloid bannte.«
Edison hielt nicht inne, als er das Patent für die Glühbirne angemeldet und sie auf den Markt gebracht hatte. Er exerzierte die sechs Schritte immer wieder durch und verbesserte so seine Erfindungen aufs Neue. Er wusste: »Wenn ich es nicht tue, tun es andere.«
Erfolgschancen erkennen – Sehen Sie, was andere übersehen
Glauben Sie, dass Sie bei einer Stippvisite eines Kinderzimmers Erfolgschancen erkennen würden? Nein? Der Autor sieht das ganz anders und beschreibt es am Beispiel malender Kinder. Sie haben die Chance auf eine Vielzahl neuer Ideen. Z.B. eine Kinder-Kunst-Galerie, ein Wandmalset oder ein Kinder-Mal-Kontest.
Sie müssen eben nur aktiv beobachten und Ihren Spam-Filter im Kopf umgehen lernen.
Wir erkennen keine Chancen, weil wir selektiv wahrnehmen, damit wir nicht von den Eindrücken um uns herum überfordert werden. So ignorieren wir 99 Prozent dessen, was wir eigentlich sehen.
So finden Sie Chancen.
1. Suchen Sie nach Problemen
Jeden Tag begegnen Ihnen erneut Probleme. »Morgens früh geht es schon los: Was darf ich essen? Nur ein Ei oder doch zwei? Weißmehl im Brötchen, das nährt die Problemzonen … Wie tief sind die Falten heute Morgen? Bin ich richtig angezogen? […]« Jedes Problem gibt Ihnen Potenzial für neue Ideen. Vor allem Ideen, die auch gekauft werden. Menschen wollen Lösungen für Ihre Probleme. Dafür bezahlen Sie auch. Edison sagte: »Was sich nicht verkauft, möchte ich nicht erfinden. Verkauf ist ein Zeichen von Nutzen und Nutzen ist Erfolg.« Kunden kaufen keine Produkte, Kunden kaufen Problemlösungen.
- Probleme über der Oberfläche finden – Über offensichtliche Probleme stolpern Sie tagtäglich. Halten Sie diese Probleme fest. Hören Sie Ihren Kunden zu oder suchen Sie auf Verbraucherportalen im Netz nach Beschwerden.
- Unsichtbare Probleme finden – Es gibt Lösungen, die sind Krücken. Solche, für die es einfachere Alternativen gibt. Finden Sie diese.
- Zukünftige Probleme vorhersehen – Welche Probleme könnten durch neue Regularien, Erfindungen, Umweltbedingungen, etc. auftreten.
- Probleme hinter den Problemen finden – So lange „Warum?“, fragen, bis Sie an die Wurzel vorgedrungen sind.
2. Suchen Sie Schwächen
Finden Sie Schwächen in Vorhandenem und verbessern diese Produkte oder Dienstleistungen. Sind Sie beispielsweise ein Hersteller für Wandfarbe, überlegen Sie in folgende Richtungen:
- Wie gehen die Kunden mit Ihrem Produkt um. Was funktioniert nicht?
- Farbeimer sind zu schwer
- Man muss die halbe Wohnung leerräumen, bevor man anfängt
- Kunden wissen nicht, wie viel Farbe sie tatsächlich benötigen
- Fragen Sie sich, was Ihr Produkt nicht kann
- Vor Handy-Strahlung schützen
- Allergikern das Leben erleichtern
- Luft reinigen
- Fragen Sie sich, welche Attribute Sie Ihrem Produkt nicht zuordnen?
- …
Und ganz wichtig. Verwandeln Sie die Schwächen in Chancen.
3. Suchen Sie nach Trends
Welche Trends gibt es? Nehmen Sie sich nur einige vor. Beschränken Sie sich ruhig auf einige Wenige. So können Sie effizient an die Ideensuche gehen. Überlegen Sie sich, welche potenziellen Erfolgschancen Sie aus den Trends ableiten können. Das sind die Suchfelder für neue Ideen.
Denkautobahnen verlassen: Weichen Sie dem Ideenstau aus
Wir neigen dazu, nach gelernten, sicheren Konzepten zu handeln und trauen uns nicht, andere Denkansätze zuzulassen. Dabei ist es so einfach. Lassen Sie einfach los und finden Sie innerhalb von fünf Minuten mehr als 20 neue Lösungswege. Wie?
- Bilden Sie Assoziationen zum Kernbegriff
Scheiben Sie den Kernbegriff oder Gedanken auf einen Zettel und schreiben Sie alles auf, was Ihnen dazu einfällt. Sinnvoll oder nicht. Egal. - Formulieren Sie Fragen
Vervollständigen Sie die Frage: »Wir können wir…?«, »Wie kann ich…?« mit den Assoziationen, die Sie sich erarbeitet haben - Perspektiven wechseln
Wie sehen andere relevante Berufsgruppen, Altersgruppen, Männer oder Frauen das Problem? Wessen Sichtweise könnte hilfreich sein?
Inspirationen suchen: Betreten Sie kreatives Neuland
- Stellen Sie zunächst einmal eine konkrete Ausgangsfrage, die Ihr Problem umreißt.
- Machen Sie aus der konkreten Frage eine generelle Frage, indem Sie das Wort „generell“ einfügen. Diese Frage ist die Voraussetzung, um über den Tellerrand zu blicken.
Beispiel: Wie kann man sich generell auf Unvorhergesehenes vorbereiten?; Wie kann man generell dafür sorgen, dass Kunden nicht verärgert sind?; Wie lässt sich Kommunikation generell klarer gestalten? - Nun gehen Sie auf Abstand zu Ihren Problemen: Suchen Sie in anderen Bereichen nach Inspirationen, die Sie auf neue Gedanken bringen.
Beispiel: Wer sorgt dafür, dass Kunden nicht verärgert sind?; Wer ist darauf eingerichtet, auf Unvorhergesehenes zu reagieren?; Wo finden Sie Beispiele für klare Kommunikation?
Wichtig auf der Suche nach Inspiration ist es, Augen und Ohren offen zu halten und Neues bewusst aufzunehmen. So erhalten Sie neue Eindrücke und können Sie mit Bekanntem vernetzen.
Spannung erzeugen: Wenn Geistesblitze zum kreativen Gewitter werden.
Finden Sie so neue Ideen z. B. für die Anwendung oder Weiterentwicklung eines Produktes mit kaleidoskopischem Denken. Es hilft Ihnen dabei Kombinationen zu finden. Verbinden Sie dazu Ihr Ausgangsproblem mit den Inspirationen und setzen Sie diese zu einem neuen Ganzen zusammen. Beobachten Sie, wie es funktioniert. »Nur weil eine Sache nicht das tut, was Sie von ihr wollen, ist sie nicht nutzlos.« (Edison)
Welche Methoden Ihnen helfen, Neues zu entdecken
Ein morphologischer Kasten in dem Sie eine Reihe von Teilfragen haben, denen Sie unterschiedliche Möglichkeiten zuordnen.
Negativfragen – Fragen Sie, was Ihre Kunden nie kaufen würden und führen Sie in einem zweiten Schritt die absurden Ideen durch Umbenennen (der Ideen einen anderen Namen geben), Verändern (Idee oder Teile so verändern, dass sie in ein positives Denkschema passt) und Weiterentwickeln (so, dass sie möglich statt unmöglich ist) wieder in den Bereich des Möglichen zurück.
Ordnen und optimieren: Entwickeln Sie einen Goldriecher
Die meisten Menschen beerdigen außerordentliche und einzigartige Ideen, weil sie als Spinnerei abgetan werden. Das sind jedoch die Ideen, die sie erfolgreich weiterentwickeln sollten. Das ist Ihr Gold. Überlegen Sie deshalb genau, ob Ihre Idee genial, originell, leicht verständlich und denkbar ist. Wenn nicht, gibt es etwas, dass sie noch ändern, weiterentwickeln können, so dass die Idee funktioniert?
Jede Idee braucht ein passendes Umfeld. Entweder finden Sie diese Umfeld oder Sie schaffen es. Edison entwickelte nicht nur die Glühbirne, sondern alles, was notwendig war, das dieses Mittel aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken war.
Haben Sie nicht das passende Umfeld, schmeißen Sie Ihre Idee nicht gleich weg. Sammeln Sie sie. Vielleicht ändern sich Rahmenbedingungen und in einiger Zeit passt Ihre Idee.
Nutzen maximieren: Werden Sie zum Ideenverkäufer
Was müssen Sie beim Ideenmarketing beachten. Welche Fehler vermeiden?
- Hat die Idee einen guten Namen?
- Begeistern Sie?
- Präsentieren Sie sie verständlich?
- Bieten Sie nutzen?
Teil 2. Edisons sieben Gesetze der Kreativität
- Das Gesetz der kreativen Unzufriedenheit – akzeptieren Sie das Bestehende nicht. Verändern Sie es durch Ihre Ideen. Stillstand ist der Anfang vom Ende.
- Das Gesetz des kreativen Drucks – Befinden Sie sich unter Druck, kommen Sie in die Situation, sich von Ihren Musterlösungen zu trennen und kreativ zu werden. Setzen Sie sich feste Ziele über die Anzahl oder die Qualität der Ideen, die Sie in einem bestimmten Zeitraum finden wollen.
- Das Gesetz der kreativen Vision – Sein Sie ein Träumer und legen Sie Ihre Denkschablonen zur Seite. Trainieren Sie Ihre visionäre Kraft durch Übungen wie die Zeitreise.
- Das Gesetz des kreativen Scheiterns – Nutzen Sie gescheiterte Ideen, um daraus zu lernen.
- Das Gesetz des kreativen Umfelds – schaffen Sie Freiräume. Je mehr Regeln Sie haben, desto gelähmter werden Sie. Es ist nicht schlimm, wenn Sie an Dingen arbeiten, bei denen Sie nicht wissen, was am Ende herauskommt.
- Das Gesetz der kreativen Insel – Schaffen Sie sich stressfreie Phasen, in denen Sie kreativ arbeiten können und nicht abgelenkt werden.
- Das Gesetz der kreativen Leidenschaft – Sie brauchen Mut, um sich gegen Widerstände durchzusetzen, einen unerschütterlichen Glauben, Durchsetzungsvermögen und Humor.


